Unterwegs in Sydney – Kultur und Gesellschaft

Giftige Spinnen und nackte Haut

Vielfalt einer Metropole

Rückkehr nach Sydney.
Unterkunft in Balmain bei Rea. Das Haus liegt zum Hafen hin. Der Sommer naht. Der Jaracanda hat seine Blüten verloren, und die Eidechsen haben zugenommen: Ich schnappe sie Gottfried, der Birmakatze, der sehr scharf darauf ist, vor der Nase weg.

Hitze, Nichtstun, wobei ich die funnel webs, deren Jahreszeit anfängt, wachsam im Augenwinkel behalte: tödlich, diese Spinnen! Einige Tage Entspannung, ehe ich aufbreche, um Sydney zu erkunden; die Ruhe wird von der Explosion im Hilton von Melbourne aufgewirbelt: Die australischen Geheimdienste sind nicht gerade die diskretesten! Misslungener Versuch, Bob Hawks in Verruf zu bringen. Abends Besuch im Cat and Fiddle Hotel, wo Mark Lee, der allzu schöne blonde junge Mann von Gallipoli, mit seiner Gruppe One Way Ticket singt.

Milton, der Nachbar von gegenüber, ein neuseeländischer Architekt auf halbem Wege zwischen der Baustelle des neuen Parlaments von Canberra und einer Weltreise, bietet mir seine Gesellschaft und sein Auto an, um in der unfassbar großen Stadt herumzufahren.

Bondi Beach; Körper, nicht alle sind perfekt, aber alle sind schön, so natürlich werden sie von ihren Besitzern präsentiert

Badeanzüge, die unten über die Hüftspitzen hinaus ausgeschnitten sind. Paare mit Kind; Einwandererfamilien mit Gören, Onkeln und Tanten. Junggesellen mit suchendem Blick. Stoßzeiten zwischen Mittag und zwei Uhr sowie gleich nach fünf. Beim Sonnenaufgang, je nach Windlage und Wettervorhersage, wimmeln die Wellen von den schwarzen Anzügen der Surfer und ihrer salzgebleichter Haare.

Fran ist einer von ihnen. Er teilt sich mit Tony ein Appartement am Strand. Fran lebt von Arbeitslosigkeit und Dealen. Tony, der einen ansprechenden Körper hat, macht Fotos: das typische Leben der "beach boys". Hübsche, nette Mädchen um sie herum; manche von ihnen surfen ebenfalls. Eis, Espressos und Geplauder in den Cafés der Campbell Parade, der Strandpromenade, die ein wenig vom Charme der Badeanlagen der dreißiger Jahre aufweist ...

Beach Girl

„Neben ihm breitete Lydia ihr Badetuch auf einer glatten Sandfläche aus, wobei sie die Mulden und Erhebungen ebnete und ihre Strandsachen in Handreichweite ablegte. Anschließend zog sie ihr Bikinioberteil aus, und mit zitternden Brüsten setzte sie sich. Nachdem sie die Sonnenkreme aus ihrer Tasche genommen hatte, verteilte sie diese fleißig, mit kreisender Bewegung, auf ihren Busen, wobei sie auf ihre Brustwarzen achtete, widmete sich mit besonderer Sorgfalt ihrem Bauch und den Beinen und sogar der Unterseite ihrer Füße.“ (The Bodysurfers, Robert Drewe, S. 121).

Meisterschwimmer, Iron Men genannt

Die legendären Helden der australischen Strände seit 1907 haben nichts von ihrer Anziehungskraft verloren. 1983 wuchs die Zahl der Clubmitglieder; Frauen werden dort seit 1980 aufgenommen. Iron Women?

Die Jungen bleiben trotz der intensiven Entwicklung aller möglichen Hobbys der Einrichtung treu, für die sie ehrenamtlich arbeiten. Von 57 682 Mitgliedern der 245 Clubs sind 17 642 aktiv, 9000 unvorsichtige Schwimmer werden alljährlich gerettet. Sie laufen, sie schwimmen, sie paddeln, in der Hoffnung, zum Jahresbesten der Iron Men gewählt zu werden. Sie tragen Kappen und Anzüge mit den Farben ihrer Vereine. Sie überwachen, sie mustern, sie sehen voraus, stets mit dem Black Sunday des 6. Februar 1938 im Hinterkopf, als plötzlich gegen 15 Uhr sechs ebenso unerwartete wie riesige Wellen den Strand von Bondi verwüsteten und dreihundert Badende zu Tode erschreckten.