Gleichberechtigung und Gleichheitswahn
Australier lieben Gerechtigkeit ... theoretisch
Chancengleichheit ist nicht genug
„Tiere sind nicht von Natur aus gierig, außer wenn sie Hunger oder Angst haben, oder, im Falle des Menschen, wenn sie ihrem Stolz freien Lauf lassen, dem Gefühl, besser zu sein als ihre Nachbarn, wenn sie diese durchs Prahlen mit überflüssigem Reichtum überragen können. Diese Art von Laster ist in Utopia unmöglich.“
Egalitarismus. Zusammen mit „Hedonismus“ der Begriff, der am häufigsten verwendet wird, um die australische Gesellschaft zu beschreiben. Die Klischees können nicht irren, ebensowenig wie die Hunderte von Seiten über dieses Thema.
Folgendes schreibt Hancock 1930: „Die Australier begnügen sich nicht damit, Privilegien anzugreifen oder Geburtsnachteile bzw. Nachteile durch Mittellosigkeit auszumerzen. Im Gegenteil neigen sie dazu, in ihrer zwanghaften Beschäftigung mit den Bedürfnissen die Mittel zu ignorieren. Die Chancengleichheit impliziert, dass man dem natürlichen Talent freien Lauf lässt, das zwangsläufig neue Ungleichheiten hervorruft; wohingegen das Ziel der australischen Demokratie die Gleichheit des Genusses ist. Die australische Demokratie hat viel getan, um die Chancen aller anzugleichen und gleichzeitig zu verringern. Sie besteht zu Recht auf dem Credo, dass jeder Anrecht auf denselben Weg im Lauf des Lebens hat (“a fair race“). Dennoch fällt es ihr schwer, zu akzeptieren, dass manche schneller laufen können als andere. Eigentlich ist es die Vorstellung an sich vom Leben als Wettrennen, die ihr missfällt, denn in einem Wettlauf siegt der Stärkste. Ihre Bemühungen widmet sie dem Schwachen, und es ist ihr Instinkt, das Talent in die Warteschlange zu zwingen.“
No stuck up sticky beans
In Bezug auf die nationalen Eliten ergänzt Horne: „Gewöhnlich auszusehen, wie alle Welt, ist manchmal eine notwendige Bedingung, um in Australien Erfolg zu haben.“
Sehr treffend die Szene in Monty Python, wo der versammelten Bande der Mitglieder der philosophischen Fakultät das neue Mitglied, ein "pommy bastard", vorgestellt wird. Alle heißen "Bruce" (populärer Frauenname zu der Zeit: Sheila). Der Pommy aber "Michael".
Dialog: "Is you name not Bruce, then?", "No, it´s Michael". "Well, that´s gonna cause a bit of confusion. What, if we call you Bruce, just to keep it clear?" Später: "I just want to remind him: We don´t like stuck up sticky beans here."
Die Australier fassen dieses Feeling in einem Satz zusammen: „Cut the tall poppies“, die vorstehenden Mohnblüten beschneiden. Dieser vordergründige Egalitarismus ruft die Beobachter auf den Plan: Von rechts (Hancock) wirft man ihm vor, ein Synonym für soziale Erstarrung zu sein; auf linker Seite (Horne), er sei eben nur Fassade. Der soziale Konformismus, der absolute Glauben in den vorsehungsgleichen Staat, die durch eine erhebliche Besteuerung der Mächtigen noch hervorgehoben werden, ersticken nämlich häufig jedes individuelle Streben, etwas besser zu machen, mehr zu leisten, oder überhaupt etwas zu schaffen, im Keim.
Aber gleichzeitig findet dieser Siegeszug des Konformismus innerhalb der Klassen oder Kasten statt, deren Grenzen, wenn sie auch dem ausländischen Besucher nicht ins Auge fallen, häufig für die Australier selbst unüberwindlich sind.





