Stärkung des Schutzes der Privatsphäre

Murdoch unter Beobachtung - Mediendeal vor Scheitern

Der Abhörskandal in England u.a. durch Reporter der Boulevardzeitung "News of the World" des Medienmoguls Rupert Murdoch schlägt nicht nur Wellen auch in den USA sondern auch in seinem Heimatland Australien. In großem Umfang waren Prominente und Privatpersonen in Großbritannien abgehört worden, so dass Murdoch kurzfristig die Einstellung des Blattes verfügte. In Australien ist ein neues Gesetz zum Schutz der Privatsphäre geplant. 

Der australische Innenminister Brendan O'Connor sagte, zur Zeit stehe jede Klage gegen eine Verletzung der Privatsphäre auf wackeligen Füßen. Künftig solle es aber ermöglicht werden, Medien in solchen Fällen vor Gericht zu belangen.

Auch von anderer Seite kommt Gegenwind, denn gleichzeitig droht Murdochs Pay-TV-Fusion in Australien zu scheitern. Es gibt keinen direkten Zusammenhang, aber die allgemeine Stimmung schlägt Murdoch entgegen.
Allerdings wird die zuständige Kartellbehörde ACCC strikt nach Gesetzeslage entscheiden. Sie will die geplante Hochzeit des Pay-TV-Anbieters Austar durch Murdoch unterbinden, weil eine Verzerrung des Wettbewerbs auf dem australischen TV-Markt wahrscheinlich werde. Befürchtet wird, dass der Telekommunikationsriese Telstra über seine Foxtel-Beteiligung bei der Übernahme einen Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Anbietern aus der Branche erhalten könne, die ihren Kunden ebenfalls Fernsehinhalte über IPTV-Plattformen liefern.
Aufgrund der grundsätzlichen Bedenken ist die geplante Übernahme durch Murdochs Pay-TV-Beteiligung Foxtel nunmehr unwahrscheinlich.
Die News-Corp-Tochter Murdochs hatte 54 Prozent der Austar-Anteile von der Unitymedia-Muttergesellschaft Liberty Global übernehmen und auch die verbleibenden 46 Prozent von kleineren Aktionären aufkaufen wollen. Der länderübergreifenden Fusion zustimmen müssten neben der ACCC auch das Foreign Investment Review Board sowie der U.S. Internal Revenue Service.
Austar lässt verlauten, man halte an der Vereinigung fest und wolle versuchen, die Medienhüter mit guten Argumenten überzeugen. Die ACCC wird ihre Entscheidung im September bekanntgeben.

Weitere Details:
News Corp hält 25 Prozent der Anteile am künftigen Austar-Besitzer Foxtel. Ein weiteres Anteilsviertel hält die Finanzholding Consolidated Media, 50 Prozent liegen bei Telstra. Der Zusammenschluss würde eines der größten australischen Medienunternehmen mit einem Jahresumsatz von über 2,8 Milliarden Aus$ entstehen lassen.
Foxtel belieferte Anfang 2011 rund 1,6 Millionen Haushalte auf dem Kontinent mit digitalen Bezahlfernsehangeboten, Austar hatte zum Stichtag 31. Mai  755 000 Abonnenten und ist auch als Internet- und Mobilfunk-Provider mit den Marken Austar Mobile und Austar Net auf dem Markt präsent. Nach Ansicht der Kartellwächter würde die geplante Fusion einen Abo-Fernsehanbieter mit einem Beinahemonopol über ganz Australien entstehen lassen.
Foxtel und Austar sind über das Joint-Venture XYZnetworks, an dem beide Unternehmen jeweils zur Hälfte beteiligt sind, ohnehin bereits seit längerem gesellschaftsrechtlich miteinander verbandelt. Unter dem Namen werden gemeinsame Bezahlprogramme veranstaltet. Zudem belieferte Foxtel die Austar-eigenen Digitalplattformen mit Spartenkanälen.