Verhältnis zu den USA

Annäherung an Asien, Abnabelung von England

Export politischen Widerstandes

Der Goldrausch 1850 veränderte das Bild Australiens von einem Land des Exils zu einem Land der Möglichkeiten. Dispute über die Lizenzierung der Goldgräber seitens der Obrigkeit führten zu einem Konflikt zwischen den Truppen und den Bergarbeitern bei der Eureka Stockade um 1854. Viele Bergarbeiter wurden niedergeschossen – ein folgenreicher Abschnitt, der die Entwicklung der Arbeiterbewegung in Australien massiv vorantreiben sollte.

Anfangs von London aus regiert, gingen die sechs Staaten im 19. Jahrhundert zur Autonomie über. Sie entschieden am 1. Januar 1901 einen Zusammenschluss zum Commonwealth Australiens mit Melbourne als vorübergehender Hauptstadt, bis 1927 mit Canberra eine nagelneue Stadt fertiggestellt wurde.

Australien blieb dem Westen treu, seine Soldaten kämpften in einer Reihe von Konflikten der Supermächte: im Sudan, im Burenkrieg, dem Ersten und Zweiten Weltkrieg und später in Korea und Vietnam. Australiens militärische Streitkräfte blicken, möglicherweise, weil sie üblicherweise aus Freiwilligen zusammengesetzt waren, auf eine unerreichte Geschichte des "Kriegsheldentums" zurück, wenn man so will.

Nach dem Angriff auf Pearl Harbour und dem Fall Singapurs demonstrierte die Bombardierung Darwins seitens der Japaner 1942 die australische Verletzbarkeit, so dass sich der Fokus der australischen Verteidigungspolitik in Richtung USA verlagerte. Vermutlicherweise war Großbritannien bereit gewesen, Australien zu verlieren, um in Europa die Stellung halten zu können. Für Amerika mit seinem strategischen Interesse am pazifischen Raum war es jedoch wichtig, Australien auf der Seite des Westens zu wissen. Die US-Allianz führte 1951 zu der Unterzeichnung des Australia New Zealand United States Agreement (ANZUS), welches später von der South East Asia Treaty Organisation (SEATO) unterstützt wurde.

Trotz der 15000 Australier, die nach dem Fall Singapurs gefangengenommen worden waren, und den grauenhaften Zuständen unter denen sie in den japanischen Kriegsgefangenenlagern vegetieren mussten, wurde der Handel mit Japan 1957 in wesentlichem Maße wiederaufgenommen. Innerhalb von 20 Jahren hatte Japan Großbritannien als den größten Importeur australischer Waren überholt, und schon Mitte der 80er Jahre war Japan Hauptexporteur nach Australien.

Obwohl die Handels- und Kulturverbindungen mit Europa, insbesondere Großbritannien, stark blieben, verlagerte sich das Hauptaugenmerk australischer Handelspolitik nach dem Krieg nach Asien. Diese Verbindung wurde 1950 durch den Colombo Plan gestärkt, durch den Australien Hilfe für Entwicklungsländer der Region zur Verfügung stellte. Eine Art der Förderung war, den asiatischen Studenten Bildung an den Universitäten zu verschaffen, wodurch bessere Geschäftsverbindungen zwischen beiden Gebiete aufgebaut werden konnten.

Australien war aktiv am Aufbau der Vereinten Nationen beteiligt und der Labor-Politiker Herbert Evatt fungierte 1948-49 als Präsident des UN-Generalversammlung. Im allgemeinen hatte Australien einen großen Einfluss beim Schutz der Interessen kleinerer Nationen, wurde aber wegen seines wissentlichen Ignorierens der Unterdrückung in Osttimor und anderen Teilen Asiens kritisiert.

Zudem gab es noch die Vietnam-Erfahrung, als Australien, als enger Verbündeter der USA, in großangelegte Bombardierungen und Zerstörungen verwickelt war. Friedensdemonstrationen wurden in den frühen 1970ern, als der Protest gegen den Krieg wuchs, alltäglich. Im Nachhinein ist leicht zu erkennen, dass die Angst vor einer kommunistischen Übernahme in Asien übertrieben war, aber die Paranoia des Kalten Kriegs war in Australien ebenso weit verbreitet wie in den USA.

Australier halten sich gerne für fair und mögen die Zurschaustellung von Macht oder Reichtum, die zur Spaltung der Gesellschaft führen, nicht. Kritik an den höheren Schichten der Gesellschaft ist ein Volksport. Dennoch ist die Kluft zwischen Arm und Reich in Australien in den vergangenen Jahren beträchtlich gewachsen, und die Politik auf Bundes- und Länderebene brachte ernüchternde Ergebnisse.

Einsatz in fernen Kriegen

Für ein Land, das selbst noch nie einen feindlichen Einfall erlebt hat, ist die Geschichte Australiens militärischer Opfer bemerkenswert. Australische Freiwillige kämpften im Burenkrieg und im Sudan, in beiden Weltkriegen, Korea, Vietnam und zuletzt im Golfkrieg gegen Saddam Hussein. Am „Anzac Day“, bis heute der emotional aufgeladenste Feiertag im australischen Kalender, wird der Bürger gedacht, die in den Kriegen ihr Leben ließen.
Ohne irgendwelche Verdienste schmälern zu wollen, ist doch anzumerken, dass so mancher Einsatz heute anders gesehen wird als zu der Zeit, als er stattfand. Wofür starben Australier in Vietnam, wofür im Irak? In wessen Interesse wurden sie "geopfert"? Wer opferte?
Zudem wäre es natürlich angemessener gewesen, erstmal die Hausaufgaben zu Hause erledigt, also das Verhältnis zu den Ureinwohnern geregelt und ihnen die vollen Bürgerrechte verliehen zu haben, statt für Frieden und Freiheit auf dem Globus unterwegs zu sein. Das ist dann nicht so glaubwürdig. Ähnlich die USA. Die hatten z.B. in Berlin reine "Negerbatallione". Der Rest mit Selma, Alabama, ist ja wohl bekannt. Erst 60 Jahre zuvor noch, 1889, hatten sie im Oklahoma Land Rush den Indianer durch die Errichtung des Bundesstaates Oklahoma über Nacht ihr Land gestohlen (http://de.wikipedia.org/wiki/Oklahoma_Land_Run).

Zeit für eine Republik?

Die englische Königin ist noch immer offizielles Staatsoberhaupt, der Union Jack Teil der Landesflagge, obwohl die letzte konstitutionelle Bindung Australiens an Großbritannien im Australia Act von 1986 aufgelöst wurde. Immer mehr Australier (einer Umfrage zufolge 44%) wollen auch die symbolischen Überbleibsel der Kolonialzeit abschaffen und ihr Land zu einer Republik machen. Es wird wohl innerhalb der nächsten Generation soweit kommen.

Parlamentarisches System

Die australische Verfassung ist eine Mischung aus britischen und amerikanischen Modellen. Die Regierungen der Bundesstaaten sind für Rechtsprechung, Bildung, Gesundheits- und Verkehrswesen verantwortlich, wohingegen der Bundesregierung die Verteidigung, die Außen- und Einwanderungspolitik, Zölle und das Postwesen unterliegen. Das Bundesparlament besteht aus zwei Häusern, dem House of Representatives und dem Senat. Es gibt drei große Parteien: die Labor Party, die Liberalen und die National Party. In einer Parlamentswahl ist jeder volljährige Australier gesetzlich verpflichtet, seine Stimme abzugeben. Den Ureinwohnern steht es frei, zu wählen oder nicht. Das Staatsoberhaupt ist Queen Elizabeth II, in Australien durch den Governor-General vertreten, in jüngster Vergangenheit gewöhnlich ein Australier.