An irgendeinen Gott sollst du glauben. Punkt.
Weder religiöser Fanatismus noch Atheismus
More hätte Beifall gespendet ...
„Es gibt auf der Insel unterschiedliche Religionen, und sogar in jeder Stadt [...] Einer der ältesten Grundsätze in ihrer Verfassung ist die religiöse Toleranz [...] Utopos rief gleich nach seinem Sieg ein Gesetz aus, wonach jeder die Religion seiner Wahl ausüben durfte [...] Er erlaubte jedem, seinen Glauben individuell zu wählen (aber nicht den Atheismus), entsprechend seinen Überzeugungen.“
Australien war nie das Neue Jerusalem Amerikas, mystisch und bigott, das auf seine Dollarscheine schreibt „In God we trust“. Die religiöse Freiheit ist hier offensichtlich absolut. Siehe im Vergleich auch Details zu den USA, http://www.gastschuljahr.de/content/religi%C3%B6se-urspr%C3%BCnge.
Bei Volkszählungen teilen sich die Australier folgendermaßen auf: 98,8% Christen, von denen 36% der anglikanischen Kirche angehören (deren Oberhaupt Elisabeth II. ist), 33% katholisch sind (Italiener, Iren), 9,6% Methodisten, 8,7% Presbyterianer, 3,8% Orthodoxe (Griechen, Russen), und die übrigen Lutheraner, Baptisten etc. Aber das eher die Zahlen nach dem Taufschein, denn nur 64 Prozent der Australier bezeichnen sich selbst als Christen, 31 Prozent als nichtreligiös oder sie machen keine Angaben.
Laut Bertelsmann Stiftung, http://idw-online.de/pages/de/news269062, gelten zwar zwei Drittel der Australier als Christen, aber im Bewusstsein und im Alltag spielt Religion nur bei einer Minderheit eine bedeutende Rolle. Damit liegen die Australier am unteren Ende der Bewertungsskala im internationalen Vergleich.
Die nicht-christlichen Religionen sind das Judentum (70 000 Anhänger, seit dem Beginn der Besiedelung anwesend und aktiv am wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Leben des Landes beteiligt); der Islam (die afghanischen Kamelhändler des vorletzten Jahrhunderts und die libanesischen und indonesischen Geschäftsleute heutzutage), der Buddhismus und andere fernöstliche Religionen.
... Und Dutzende von Sekten, Hare Krishna, Ananda Marga, und, der letzte Schrei in den achtziger Jahren, Baghavan (Baghwan), die einst überall deutlich sichtbaren „Orangen“. Es ist nämlich so, dass die „klassischen“ Religionen in Australien so manchen Gläubigen unbefriedigt lassen, was das Mystische betrifft. Die Kirchen sind in Australien aufgrund des Gleichgewichts unter den verschiedenen Glaubensrichtungen zunächst einmal institutionelle (erst seit wenigen Jahren haben neu eingebürgerte Australier die Möglichkeit, bei der Einbürgerungsfeier nicht mehr auf die Bibel zu schwören) und moralische Instanzen (Pubs und Stadien waren bis vor kurzem sonntags geschlossen).
Dennoch ist ihr Einfluss keineswegs gering, denn immerhin halten sie im Bereich der gehobenen Erziehung ein beinahe vollständiges Monopol.
Während Australien seine „Moral Majority“ (Reverend Fred Nile) und seine konfessionellen Werbebeiträge im Fernsehen hat, muss es Prediger vom Schlage eines Billy Graham noch aus den USA importieren.
Die Australier sind gleichermaßen zu materialistisch und zu skeptisch, um sich mit der Inbrunst ihrer amerikanischen Cousins den merkwürdigen Freuden des Revivalkults hinzugeben. Dennoch hinterlässt das Christentum im sozialen und kulturellen Gewebe einen dauerhaften Abdruck.
Unter seinen beiden widersprüchlichsten Facetten – zumindest auf den ersten Blick -: der kalvinistische Puritanismus, der Schimpfwörter im Fernsehen verbietet und die Pubs um zehn schließen lässt, und der soziale Humanismus wie der Mores. Zwei Doktrinen mit dem selben Ursprung, im Herzen der platonischen Denkweise.
Ach ja, und lassen Sie es sich besser nie einfallen, mal Kinder zu fotografieren, z.B. auf einem Spielplatz. Da muss es irgendwelche Ängste geben, und wenn sie denn vorhanden sind, gibt es Gründe ...





