Anglo-keltische Einflüsse
Erste Flotte Europäischer Siedler
Die letzten 200 Jahre war Australien, das sich in Bezug auf Handel und kulturelles Erbe an Großbritannien (und später Amerika) orientierte, nahe mit der anglo-keltischen Welt verbunden.
Strafgefangene und Ausgräber
Über 160 000 Strafgefangene wurden zwischen 1788, Ankunft der “First Fleet“, und 1868 nach Westaustralien verschifft. Obwohl auch Arbeitsverpflichtete und andere Siedler auf dem Land arbeiteten, blieben die Strafgefangenen bis zum Großen Goldrausch 1850, welcher die Einwanderungsstruktur stark änderte, in der Mehrzahl.
Die Existenz des "Südlichen Landes" (d.h. Australien) war lange vor Eintreffen der Europäer bekannt. In gewisser Weise ist es erstaunlich, dass China nicht schon im 15. Jahrhundert oder früher die Kontrolle über das Land an sich riss. Die muslimischen Eroberer Indonesiens hätten Australien leicht in Beschlag nehmen können, wären sie nur 500 km weiter südlich gesegelt. Schließlich waren es die Europäer, von der anderen Seite der Erde, die Australien erobern sollten.
Portugiesische, spanische und holländische Entdecker untersuchten die Gegend. Ab 1644 wurde das Land als New Holland bekannt. Allerdings waren frühere Entdecker in Westaustralien ziemlich enttäuscht von dem unwirtlichen Land voller Fliegen, Sand und "Wilder", das sie vor fanden. Die Entdeckung der fruchtbaren Ostküste war da schon ermutigender. Der englische Entdecker James Cook segelte am 22. August 1770 nach Australien, nachdem er Tahiti besucht und die Küste Neuseelands erkundet und kartographiert hatte und nahm die gesamte Ostküste in Beschlag. Er nannte sie New South Wales. Zuallererst wurde die gesamte Kolonie mit diesem Namen bezeichnet. Schrittweise wurde es dann zu einzelnen Staaten geteilt, bis auf Westaustralien, das bis zur Föderation 1901 eine eigenständige Kolonie blieb.
Krieg der Engländer gegen Engländer
Die Verfrachtung von Strafgefangenen zu weit entfernten Kolonien war eine übliche Verfahrensweise der Engländer im 18. Jahrhundert. Es war Politik der Briten, möglichst viele Siedler mittels der Justiz bereitzustellen, so dass beispielsweise ein bloßer Mundraub, hungerbedingt also, schon die Deportation nach sich ziehen konnte. Ein Krieg der englischen Aristokratie und Bourgoisie gegen die eigene Bevölkerung! Hier mal ein Beispiel aus der Familiengeschichte Kevin Rudds, Premier nach John Howard und wegen seiner Umweltpolitik gestürzt und durch Julia Gillard ersetzt.
Nach der australischen Nachrichtenagentur AAP stammt Rudd laut Familienforschern von einer Londoner Taschendiebin ab. Diese Vorfahrin sei 1789 als Zwölfjährige wegen des Diebstahls eines Kleides und von Unterwäsche zum Tode verurteilt worden (sic!), denn sie hätte nach Überzeugung der Richter zusammen mit einer älteren Komplizin ein achtjähriges Mädchen in eine Toilette gesperrt und ihr das Kleid und die Unterwäsche geklaut. Das daraufhin verhängte Todesurteil wurde später in Deportation umgewandelt.
Ein Vorfahr Rudds väterlicherseits wurde 1801 nach Australien verfrachtet, um dort eine siebenjährige Haftstrafe wegen Diebstahls eines Sack Zuckers abzubrummen.
Hintergrund dieses "Krieges" war die Vertreibung der Landbevölkerung durch die englischen Großgrundbesitzer, also dem Adel, insbesondere die Einverleibung der altgermanischen Allmende, des "commons", der als Flurname, Straße oder Platz noch heute in jeder englischen Stadt anzutreffen ist. Dort konnten bislang die ärmsten der Armen noch ihre Gänse, ihr Schwein hintreiben, ihr Schaf, ihre Ziege weiden lassen, was oft ihr Überleben sicherte.
Im Zuge der Highland Clearances (Hochlandräumung. Ein wundervoller Euphmismus: "Vertreibung" wäre richtig!) zur intensiven Schafzucht in Schottland und Wales im 19. Jahrhundert, verfrachtete man ganze Dorfgemeinschaften nach Übersee oder zwang sie zur Auswanderung. Ein Gedicht eines unbekannten Autors lautete:
The law will jail the man or woman
Who steals the goose from off the common
But leave the greater villain loose
Who steals the common from the goose
Das Gesetz sperrt ein, ob Mann ob Weib
wer der Allmend 'ne Gans entwendet,
doch lässt's die großen Gauner ziehen,
die die Allmend den Gänsen stehl'n.
(Zitiert n. Ila-Web, dort auch mehr zum Thema)
Der Raub der Allmende durch das Adelspack führte zur Vertreibung der Bevölkerung in die Städte, wo sie Manufakturen und Fabriken billige Arbeiter lieferten oder in den Armenhäusern Fronarbeit leisteten. Und warum das alles? Na, zum Beispiel wegen Australien, http://www.down-under.org/content/englische-landschaft-wurzeln-australien.
Der amerikanische Unabhängigkeitskrieg verringerte die Möglichkeit des flotten Menschenexport jedoch stark, so dass sich die ungenützten Schiffe voller Sträflinge in englischen Häfen ansammelten. Daraufhin entschied man zur Verfrachtung der Gefangenen nach Australien. Zudem war es möglicherweise die Absicht der Briten, eine strategische Basis einzurichten, die ihre Interessen gegen Asien und Frankreich schützte, da auch diese in dem Gebiet verkehrten.
1788 führte Captain Arthur Phillip eine Flotte von elf Schiffen mit über 1500 Menschen, darunter 736 Strafgefangene, von zwölf Nationalitäten nach Australien. In Port Jackson, aus dem sich später das heutige Sydney entwickeln sollte, begründete er so die erste europäische Besiedlung. Bis 1869, als die Transporte endeten, waren 162.000 Gefangene nach Australien verschifft worden, viele davon politische Dissidenten bzw. Widerstandskämpfer aus Irland. Anfangs machten die Sträflinge noch den größten Teil der Bevölkerung aus, doch gegen 1860 wurden die Sträflinge und ihre Nachkommen zahlenmäßig fast um das Zehnfache von freiwillig gekommenen Arbeitern übertroffen, die sich bei den wohlhabenden Landbesitzern mit ihren ausgedehnten neuen Ländereien verdingten.





