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Wie das Internetportal Finanzen.net berichtet, geht es der australischen Wirtschaft so gut wie schon lange nicht mehr. Die Wirtschaft brummt und die Börse haussiert. Daran wird auch die Wahl eines neuen Premiers in knapp einer Woche wenig ändern, glauben Fondsmanager.

John Howard trägt zur Zeit die größten Spendierhosen in ganz Australien. Kaum ein Tag vergeht, an dem der australische Premier im Vorfeld der Parlamentswahlen am 9. Oktober nicht neue und vor allem sehr teure Geschenke verteilt. Steuernachlass für Kleinunternehmen? Kein Problem. Mehr Geld für Kindererziehung? Wird bezahlt. Finanzhilfen für Frühpensionäre? Sind in Planung. 3,5 Milliarden Euro Mehrausgaben für die kommenden Jahre hat der konservative Regierungschef den 13 Millionen Wählern allein in den vergangenen Wochen zugesagt - für den Fall eines Sieges über den Rivalen Mark Latham von der Labor-Partei. Dass Politiker mit kostspieligen Versprechen gerne um sich werfen, ist nichts Außergewöhnliches. Dass sich ein Land diesen Luxus wie im Fall Australiens auch noch leisten kann, aber schon. Denn nach neuen Schätzungen aus dem Finanzministerium kann der künftige Premier aus dem vollen schöpfen. Dank üppig sprudelnder Steuereinnahmen beträgt der Haushaltsüberschuss für die kommenden vier Finanzjahre über 15 Milliarden Euro.

Australien geht es gut, beneidenswert gut. Die Staatsverschuldung ist niedrig, die Volkswirtschaft des fünften Kontinents wächst seit 1996 um durchschnittlich 3,8 Prozent im Jahr, die Arbeitslosenquote ist auf 5,7 Prozent gesunken und die Inflation ist auch im Griff. Einzig die stark gestiegenen Immobilienpreise in den vergangenen Jahren bereiten Sorge. Bisher allerdings gibt es keine Anzeichen für ein Platzen einer Immo-Blase, auch wenn die Zentralbank die Zinsen 2003 mehrmals angehoben hat. Jüngst veröffentlichte Indikatoren weisen zudem weiterhin auf ein gesundes Wirtschaftswachstum von über drei Prozent für 2005 hin. All dies ist das Ergebnis einer Politik der einstigen Labor-Regierung, die vor 20 Jahren mit Hilfe der Konservativen die abgeschottete Volkswirtschaft vollständig umgekrempelt hat. Zölle wurden gesenkt, Staatsbetriebe privatisiert, die Macht der Gewerkschaften beschnitten.

Daher ist es wenig verwunderlich, dass die australische Börse fröhlich haussiert und sich von der niedergeschlagenen Stimmung anderswo nicht anstecken lässt. "Australiens Börse korreliert sehr wenig mit den großen Aktienmärkten", bestätigt Detlef Kohlhase, Fondsmanager des Nestor Australien. Der australische Leitindex S&P/ASX 200 konnte allein seit der EURO-Empfehlung Ende 2003 um knapp 15 Prozent zulegen. Und erst in der vergangenen Woche vermeldete die Börse aus Sydney erneut ein Allzeithoch.

Diese beeindruckende Eigendynamik hat Australien auch dem wirtschaftlichen Aufstieg Chinas zu verdanken. Seit das Milliardenreich boomt, gehen die Nachfrage und damit die Preise für Kohle, Eisenerz und Nickel durch die Decke. Profiteure sind vor allem die vielen im rohstoffreichen Australien beheimateten Minenfirmen wie BHP Billiton und Rio Tinto. Allein für 2005 rechnen Experten mit einem Preisplus bei Eisenerz von bis zu 20 Prozent. Und die Rohstoffexporte Australiens sollen erneut um über zehn Prozent zulegen. Dass dies nicht nur ein kurzes Strohfeuer ist, beweisen langfristig ausgelegte Lieferverträge in Milliardenhöhe zwischen BHP Billiton und der chinesischen Regierung.

Aussie-Aktien sind keine Außenseiter mehr. Jason Pidcock ist hierfür nur ein Beispiel. Der Manager des Asienfonds Newton Oriental schichtet sein Portfolio dank der hervorragenden Gewinnaussichten mittelfristig zu Gunsten Australiens um (siehe Interview). Auch Kollege Kohlhase ist optimistisch und rechnet für die kommenden zwölf Monate mit einem Gewinnplus von rund 15 Prozent für australische Aktien, die neben einer günstigen Bewertung eine hohe Dividendenrendite aufweisen. Neun Milliarden Dollar schütten die Firmen bis Ende 2004 an die Anleger aus. Zusammen mit fest zugesagten Steuergeschenken der Regierung dürften nach Angaben der australischen Macquarie-Bank viel Geld erst in die Portemonnaies und dann in die Geschäfte fließen. Dabei gehen die Australier heute schon recht gern und ausgiebig in die Shopping-Malls. Die Konsumausgaben sind im dritten Quartal 2004 gegenüber dem Vorjahr um sechs Prozent gestiegen. Einzelhandelswerte stehen bei Kohlhase neben kleineren Rohstoffunternehmen ebenfalls sehr hoch im Kurs.

Der Nestor-Fondsmanager favorisiert wie Kollege Pidcock vor allem aus Gründen der Berechenbarkeit eine konservative Regierung. Aber die Labor-Partei ist auf Grund der geleisteten Reformpolitik für Investoren schon lange kein Schreckgespenst mehr. "Und ein Latham-Sieg könnte an der Börse ebenfalls für sehr positive Impulse sorgen", meint auch Kohlhausen. So spricht sich die Opposition für eine Reform der Pensionsregelungen aus, die der Börse am Ende noch mehr Anlagegelder zuführen soll als dies die Konservativen planen. Und auch in Sachen Spendierfreude will sich Latham angesichts des Kopf-an-Kopf-Rennens in den Umfragen nicht lumpen lassen. So versprach der 43jährige Herausforderer erst vor kurzem im Falle seines Wahlsiegs, über 75jährigenPatienten die Krankenhausrechnung zu erlassen. Geschätzter Kostenpunkt dieser Wohltat zur Wahlzeit rund eine halbe Milliarde Euro. Aber wie gesagt - die Australier können sich solche Geschenke ja auch leisten.

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