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In Australien steigen Kurse und Dollar

Eine Hausse auf den Märkten des fünften Kontinents sorgt für satte Gewinne bei den Aktienfonds

Wie die Welt am Sonntag berichtet, geht es an den australischen Märkten seit anderthalb Jahren beinahe unbeobachtet aufwärts. Vielleicht weil sie auf der anderen Seite der Erdkugel liegen und alle Welt auf China und seinen Boom blickt. Jedenfalls gehören die Aktien der Börse in Sydney zu den unangefochtenen Topgewinnern der vergangenen fünf Jahre. Und ein Ende des Aufstiegs ist nicht in Sicht. Dieser Auffassung ist auch Uli Sperl, der sich bei Activest um das Australien-Portfolio kümmert. "Keinerlei Anzeichen deuten auf eine Trendwende hin", sagt er.

Allein im Zwölfmonatsvergleich verdienten Fondsanleger durchschnittlich mehr als elf Prozent; mit dem besten der zehn Fonds umfassenden Kategorie (Dexia Equities L Australia) sogar 18 Prozent. Obwohl Fonds kein Instrument für kurzfristige Spekulationen sind, ist dies ein erstklassiges Ergebnis. Besonders erfreulich auch, weil vom Gewinn keine Steuern an den Staat abgeführt werden müssen.
Im Dreijahresrhythmus schneiden Investoren ebenfalls gut ab. Unter dem Strich stehen kumuliert durchschnittlich 12,1 Prozent und im besten Fall (Aberdeen Global Australasian Equity Fund) sogar mehr als 29 Prozent beziehungsweise neun Prozent pro Jahr. Das Erfolgsgeheimnis von Aberdeen-Fondsmanager Hugh Young ist einfach, aber offensichtlich effektiv: Er betätigt sich als "Stockpicker" und sucht demnach unterbewertete Titel, die der Markt noch nicht entdeckt hat. Die Papiere werden dann in seinem Depot entsprechend hoch gewichtet.
So machen seine Top Ten fast 55 Prozent des Fondsvermögens aus. Insgesamt hält Young derzeit nur 28 Aktien, davon fast 40 Prozent aus dem Finanzsektor. Im Übrigen lag kein einziger Fondsmanager bei der Aktienauswahl falsch und sorgte gar für rote Zahlen. Das ist natürlich auch ein weiteres Indiz für die hervorragende Verfassung der australischen Börse.

Argumente für weitere Engagements auf dem fünften Kontinent liefert zunächst das Kursniveau selbst. Australienaktien seien keineswegs zu teuer, sagt Sperl und verweist ganz nebenbei auf die attraktive Dividendenrendite von augenblicklich vier Prozent. Außerdem dominieren an der Börse in Sydney zwei Branchen, denen weltweit hohe Aufmerksamkeit zuteil wird. Zum einen sind es die Finanzwerte, die gut 40 Prozent des gesamten Kurszettels in Sydney ausmachen.
Des Weiteren wiegen die hoch im Kurs stehenden Rohstoffwerte, die 15 bis 20 Prozent ausmachen, schwer. Ein guter Teil der Börsenentwicklung ist sicherlich auf die von China ausgelöste Rohstoffhausse zurückzuführen, aber die australische Wirtschaft hängt nicht gravierend davon ab. Auch ohne die asiatischen Sondereffekte wächst die Konjunktur robust. Von 1992 bis 2001 legte das Bruttoinlandsprodukt BIP jährlich 3,8 Prozent zu. Das sind 0,5 Prozentpunkte mehr als beispielsweise in den Vereinigten Staaten. Auch für dieses Jahr rechnen die Ökonomen mit einem Plus von 3,4 Prozent.


Arbeitslosigkeit so niedrig wie seit elf Jahren nicht mehr

Positiv wirkt auch die vergleichsweise niedrige Arbeitslosigkeit in Australien. Mit 124 000 Personen erreichte die Zahl der Langzeitarbeitslosen bereits im Februar 2003 das niedrigste Niveau seit elf Jahren. Schließlich hat die gute Verfassung der Wirtschaft günstig auf die Währung gewirkt. Der Australien-Dollar notiert gegenüber dem Euro stabil und hat gegenüber dem US-Dollar sogar erheblich an Wert gewonnen.

Dämpfen könnte die Euphorie die australische Notenbank, wenn sie die Zinsen drastisch anheben würde. Vier Zinserhöhungen in Folge musste Australien bereits verkraften. Weitere kräftige Sprünge würden indes zu massiven Verlusten auf der Währungsseite führen. Anleger jedenfalls reagieren bislang wenig beeindruckt. Nur wenige haben den Weg nach Australien gefunden - egal ob über Aktien oder Fonds. Hauptkunden der Fondsmanager sind Dachfonds und gut informierte Privatleute. Wer statt Fonds lieber einzelne Aktien kaufen will, mag sich an den Einkaufslisten der Profis orientieren. Die setzen unverändert auf die großen Banken wie Australia & New Zealand Bank, National Australia Bank und Commonwealth Bank of Australia. Dazu kommen Industriewerte wie BHP Billiton und News Corporation.
Der Medienkonzern soll Gerüchten zufolge seinen Emittentensitz von Australien in die USA verlegen wollen. Damit wird das Unternehmen von Medienzar Rupert Murdoch auch aus den heimischen Aktienindices getilgt werden und in den US-Indices neu auftauchen. Klingt nach einer spannenden Spekulation.

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