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Als Erntehelfer in Australien
07.04.09
Als Erntehelfer in Australien
Link: http://www.beraten.net
Schlechte Zeiten für Backpacker - von Arbeitsmangel und Ausbeutung
Das Prinzip des Backpacking ("Rucksackreisen") ist einfach: Man schnalle sich einen Rucksack auf den Rücken, natürlich mit den nötigsten Utensilien für eine Reise, und setze sich in den nächsten Flieger nach Australien. Dort streife man eine Weile durchs Land. Geht das Geld aus, suche man sich eine Arbeit. Hat man wieder genug Groschen zusammen, tingele man weiter durch den Kontinent.
Die Einheimischen freuen sich über junge, flexible Arbeiter, die für ihr Geld auch mal etwas schwerer arbeiten. Den Reisenden kommt die wöchentliche Zahlung zugute und die niedrigen Auswahlkriterien bei der Einstellung.
Viele Jahre lang ging alles glatt, so dass sich ein richtiges System etablierte. Hostels (Hotels für Backpacker) vermitteln oft Arbeiter an die Farmer, bei denen sie das nötige Geld zur Weiterreise verdienen. Die Reisenden hingegen kurbeln die örtliche Wirtschaft an, zumindest die Tourismusbranche. Nicht ohne Grund zählen gerade wichtige Obstbaugebiete auch zu den Touristenzielen.
Seit die ersten Reisenden, meist junge Leute, das Prinzip des "Backpacking" vorgemacht haben, wuchs seine Beliebtheit rasant. So viele schwärmen schon davon, dass man gar nicht mehr daran glaubt, etwas könne dabei schief gehen. Klar ist ein Nervenkitzel mit von der Partie, aber Abenteuer gehört zum Reisen eben dazu. Doch dass man wirklich in die Bredouille geraten könnte - der Gedanke wird von vielen verscheucht.
Tatsächlich funktioniert das Prinzip "Jobben und Reisen" in Australien nicht immer so problemlos. Grundlage ist eine "funktionierende" Landwirtschaft, d.h. die Ernte sollte gut ausfallen und natürlich rechtzeitig beginnen, denn bei wenig Ertrag werden natürlich auch wenige Erntehelfer benötigt. Wochenlanges Warten auf Erntebeginn hingegen kann manchen Backpacker ebenfalls in die Bredouille bringen, zumindest wenn sonst keine Arbeit frei ist. Irgendwann ist das Geld eben aufgezehrt.
Weiteres Übel der Erntearbeit ist häufig die Ausbeutung. Die Bauern versuchen - gerade in schlechten Zeiten - ihre Lohnkosten so gering wie möglich zu halten. So erzählen manche Backpacker von schwankenden Bezahlungen: bei Aussicht auf eine gute Tagesernte bezahlen einige Farmer nach Arbeitsstunden, bei Aussicht auf eine schlechte Tagesernte nach Kilo. Andere Erntehelfer berichten von Farmern, die ihnen Arbeitskleidung verkaufen wollten oder wenigstens ein Pfand dafür forderten - dass sie nicht zurückbekommen sollten, wenn sie sich mit den Arbeitgebern in die Haare gerieten.
Gerade wenn Katastrophen wie Buschbrände, Dürren oder Überschwemmungen Australien heimsuchen, sollten künftige Backpacker deshalb auf der Hut sein. Vielleicht wäre es besser, die Reise aufs nächste Jahr zu verschieben.






